Die Kalkulation im Einzelhandel

Jede Kalkulation liegt demselben Schema zu Grunde. Dieses Schema beschreibt quasi den Weg der Ware vom Lieferer durch das Geschäft bis zum Kunden. Anhand der unteren Tabelle möchte ich die Funktion der Kalkulation erläutern.

Der Kalkulationsaufbau

Als erstes in der Kalkulation steht der Listenpreis. Diesen erfahren wir, indem wir von den einzelnen Lieferer die Preislisten einsehen, deshalb Listenpreis. Auf dem Listenpreis bekommen wir gewöhnlich vom Lieferer einen Rabatt gewährt, den wir dann vom Listenpreis abziehen dürfen. Der daraus entstehende Preis nennt sich Zieleinkaufspreis, das ist der Preis zudem wir die Ware ohne Abzug von Skonto, also, wenn wir die gesamten Zieltage ausnutzen würden, beziehen können. Natürlich bezahlen wir in den Skontotagen (meistens die ersten 10 der Zieltage). Wir ziehen also den gewährten Barzahlungsnachlass vom Zieleinkaufspreis ab und erhalten so den Bareinkaufspreis.

Durch das Bezahlen der Ware ist diese aber noch nicht in unserem Lager. Bis Sie da ist, fallen Bezugskosten an (Bahn, Fracht, Zoll). Diese Kosten schlagen wir dann wieder auf den Bareinkaufspreis drauf, so erhalten wir den Bezugspreis. Nun steht die Ware bei uns im Lager, dort verursacht Sie aber genauso Kosten, nämlich Handlungskosten. Wir müssen Mitarbeiter bezahlen, die das Lager sauber halten und die Waren pflegen, müssen für unser Geschäft Miete zahlen usw.

Diese Kosten schlagen wir auf den Bezugspreis drauf. Daraus entsteht der Selbstkostenpreis, das sagt schon der Name, ist der Preis, bei dem der Kaufmann weder Gewinn aber auch keine Verluste einfährt. Auf den Selbstkostenpreis wird der Gewinn aufgeschlagen, nun kommt noch die Umsatzsteuer auf den Nettoverkaufspreis, und man erhält so den Bruttoverkaufspreis.

Die Aufgabe

Der pfiffige Einzelhändler Mathias H. aus D. möchte für einen Artikel, den er bei seinem netten Lieferanten Martin K. aus M.a.d.L. für 100,00 EUR pro Stück erhält, einmal durchkalkulieren für wie viel er diesen Artikel verkaufen kann, wenn er vom Lieferanten 9% Lieferrabatt und 3% Skonto bekommt. Zudem kalkuliert der Einzelhändler noch mit 10% Bezugskosten, 25 % Handlungskosten, und 8% Gewinn. Die Umsatzsteuer beträgt 19%.

Frage: Wie hoch lautet der Verkaufspreis (BruttoVK)?

Als erstes schreibt er sich das Kalkulationsschema der Reihe nach auf und setzt die bereits bekannten Daten aus der Aufgabe ein. Anschließend werden die einzelnen Kalkulationsposten berechnet. Nachdem Herr H. fertig ist, erhält er folgende Kalkulationstabelle:

Tabelle 1: Kalkulationsschema

Listenpreis

100,00

 

100%

- Liefererrabatt

- 9,00

9%

 

= Ziel EK

91,00

91%

100%

- Liefererskonto

- 2,73

3%

 

= Bar EK

88,27

97%

100%

+ Bezugskosten

8,83

10%

 

= Bezugspreis

97,10

110%

100%

+ Handlungskosten

24,27

25%

 

= Selbstkostenpreis

121,37

125%

100%

+ Gewinn

9,70

8%

 

= Netto VK

131,08

108%

100%

+ UMST

24,90

19%*

 

= Brutto VK

155,98

119%

 

*bei Lebensmitteln, Zeitschriften und Büchern beträgt der Umsatzsteuersatz 7%

Antwort: Herr H. kann den Artikel für 155,98 EUR verkaufen.

Berechnung der einzelnen Kalkulationsposten

Der Listenpreis ist hier 100% und der Liefererrabatt beträgt 9% der Zieleinkaufspreis ist der gesuchte Wert. Die danach folgenden Kalkulationsposten werden immer nach diesem Ansatz berechnet.

Der Ansatz:

Der Gedanke: Wenn 100% einhundert Euro entsprechen, wie viel Euro entsprechen dann 91% ?

Listenpreis

100%

- € 100,00

Zieleinkaufspreis

91%

- € X

Die Rechnung:

Der Wert über dem X kann gleich auf den Bruchstrich geschrieben werden. Danach wird durch gezieltes Fragen aufgelöst: 100% ergeben € 100,00. Sind 91% mehr oder weniger Euro? Natürlich ergibt ein geringerer Prozentsatz auch einen geringeren Eurobetrag, deshalb lautet hier die Antwort auch weniger. Demzufolge wird der geringere Prozentsatz - hier die 91% - auf den Bruchstrich geschrieben und der größere Wert - hier die 100%- unter dem Bruchstrich. Der Bruch sieht dann so aus:

X =

€ 100 · 91 %

=

€ 91,00

100%

Analog wird bei der Berechnung der anderen Kalkulationsposten (Bar EK, Bezugspreis, Selbstkostenpreis, etc.) verfahren.

Der Kalkulationszuschlag

Da sich die Werte der Handlungskosten der Gewinn und die Umsatzsteuer, bei der Kalkulation nicht verändern, kann man diesen Prozentwert ausrechnen. So braucht man nur den Bezugspreis + den Kalkulationszuschlag zu zählen, um den Bruttoverkaufspreis zu erhalten.

Der Ansatz:

Bezugspreis

€ 97,10

- 100%

(BruttoVK-Bezugspreis)

€58,88

- X%

 

Die Rechnung:

Die Probe zeigt uns, dass wir richtig gerechnet haben:

€ 97,10 · 1,60638= € 155,979... gerundet ergibt sich unser BruttoVK von € 155,98.

Die Handelsspanne

Im Einzelhandel kommt es vor, dass die Hersteller Preise vorgeben, an denen sich die entsprechende Branchen halten müssen.Dann muss der Einzelhändler rückwärts kalkulieren, um wenigstens den günstigsten Bezugspreis ermitteln zu können.

Der Ansatz:

NettoVK

€ 131,08

- 100%

(Bezugspreis - VKnetto)

€ 33,98

- X%

 

Die Rechnung:

Die Handelsspanne

Die Handelsspanne beträgt 25,923%.

Der Kalkulationsfaktor

Der Kalkulationsfaktor dient genauso wie der Kalkulationszuschlag dem Einzelhändler als Arbeitserleichterung, statt alle Werte für jeden Artikel erneut durchkalkulieren zu müssen, wird einfach der Bezugspreis mal dem errechneten Wert genommen, so kommt man dann zum VKbrutto.

Der Kalkfaktor